3. Januar 2013

FOREVER

Starr guckt er aus dem Fenster. Kein Lächeln, keine Langeweile.. nichts kann man an seinem Gesichtsausdruck ablesen. "Marek?" frage ich etwas ängstlich. Sein Kopf dreht sich, aber kein weiterer Muskel macht eine Bewegung. Seine glänzenden Augen gucken mich an. "mhm" murmelt er. "Was ist los?" Keine Antwort. Stattdessen nimmt er seinen Finger, setzt ihn an meiner Unterlippe an und führt ihn runter zu meinem Kinn. Jetzt habe ich einen roten Strich im Gesicht. "MAREK?" Ich starre ihn an und schnappe mir dann meinen Handspiegel und rubbel den Lippenstift von meinem Gesicht. "Siehst du?!" sagt er leise mit seiner rauen Stimme und steht auf, um den Raum zu verlassen. "WAS SOLL DAS?" ich werde immer lauter. Immer noch keine Antwort. Marek kehrt mir immer noch den Rücken zu. "FUCK, MAREK! SAG DOCH WAS LOS IST" Jetzt schreie ich und gewinne somit endlich seine Aufmerksamkeit. Marek war noch nie einer, der mich jemals angeschrien hat. Er ist ruhig, ziemlich ruhig und manchmal etwas zu ruhig. Umso mehr überrascht es mich, als seine Stimme durch das ganze Zimmer hallt. "DU HAST DICH VERÄNDERT, OKAY. SO VERDAMMT VERÄNDERT!" - "WAS? WIESO? ICH BIN IMMERNOCH DIESSELBE WIE FRÜHER!" argumentiere ich wütend. "NEIN! FRÜHER WARST DU SORGLOS UND DU WARST SCHÖN, SO WIE DU BIST! ES HAT DICH NICHT INTERESSIERT WAS DIE ANDEREN ÜBER DICH DACHTEN!" - "Was meinst du?" Meine Stimme lässt nach und ist kaum noch zu hören. Wir stehen uns gegenüber. "DU.. du.." er wird ruhiger, er nimmt meine Hände in seine. "Hör zu..du brauchst keine Schminke, du brauchst nicht die schönsten und teuersten Klamotten um perfekt zu sein. Einzig und allein dein Lächeln ist es was mein Tag ausmacht. Diese schönen natürlichen Augen, die ich stundenlang anschauen könnte. Und dieses süße Lachen, von dem ich Schmetterlinge kriege. Du brauchst nur dich selber.. um perfekt zu sein." Ich bin sprachlos und gleichzeitig gerührt. Ich wollte nicht, dass er so denkt. Ich wollte immer versuchen perfekt zu sein, für jeden. Ich wollte mich verändern. Ein 'Tut mir Leid' huscht über meine Lippen, denn ich bin immer noch etwas neben der Spur. Seine Finger trennen sich von meinen und er lässt mich alleine in seinem Zimmer stehen. Ich lasse ihn gehen. Nachdenklich setzt ich mich zurück auf sein Bett und denke über alles nach. Es fließen ein paar Tränen und ich treffe eine Entscheidung. Ich gehe ins Badezimmer und schminke mich komplett ab. Meine offenen Haare binde ich in einen verwüsteten Dutt nach oben. Ich schnappe mir einen von Mareks Pulli und nehme mir eine von seinen Boxern. Ich gehe in die Küche und da steht er. Er sitzt auf der Küchenplatte und sieht mich an. Er lächelt. "So besser?" frage ich ihn und grinse ihn an. "Ist das meine beste Freundin?" Marek springt auf und umarmt mich. "Versuch dich bitte nicht für andere zu verstellen. Denn so wie du bist, bist du am wundervollsten!" - "Du bist der beste, weißt du das?" Arm in Arm bleiben wir so stehen. "Für immer?" - "Für immer!" und das ist wieder einer dieser Momente, die ich am liebsten in ein Einmachglas stecken würde und ihn immer und immer wieder erleben würde.


Egal was, wir stehn es zusammen durch.

Kommentare:

  1. Anonym13:07

    wie süß ♥

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  2. ich muss dir ja nicht mehr sagen, wie wunderwunderschön deine texte sind. diese freundschaft zwischen euch beiden ist so perfekt. klar, bei euch gibt es ziemlich oft auseinandersetzungen und ihr streitet oft. aber ihr kommt immer wieder zusammen und haltet zusammen, ich bewundere das so und finde das so so schön, weil ich weiß, wie glücklich er dich macht. ♥

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  3. unwichtig.13:11

    solche freundschaften wie die von dir und marek sind was ganz besonderes !

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  4. ihr seid soooooooo süß, macht mich bitte nicht so neidisch.

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  5. Anonym19:04

    unglaublicher text!

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  6. echt schön geschrieben♥

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  7. Anonym11:07

    Deine Texte sind echt toll geschrieben :) und so eine Freundschaft ist wirklich etwas ganz besonderes:)
    Liebe Grüße <3

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  8. Das ist der erste Post, den ich von dir lese. Und er ist wundervoll. Und Marek ist wundervoll. Ebenso wie eure Freundschaft unnachahmlich und einzigartig ist. Wow, echt. So etwas gibt es nicht oft. Ich hoffe, er bleibt dir erhalten und steht weiterhin mit dir alles gemeinsam durch. Und, wie ist es mit dem "perfekt sein"? Klar für ihn ziehst du einen Schlabberpulli an, machst dir einen Dutt und schminkst dich nicht, denn ihm vertraust du und er ist dein bester Freund, den du vermutlich auch schon ewig kennst. Aber was ist im echten Leben, in der Schule zum Beispiel? Du schminkst dich wahrscheinlich weiterhin und trägst Markenklamotten wie beispielsweise von Hollister. Ich kann sowas nicht verstehen, konnte ich noch nie. Menschen sind perfekt so wie sie sind. Und wie du selbst sagst, du willst perfekt sein. Aber hey, sogar oder gerade Marek sagt, dass du so perfekt bist, wie du bist - ohne das Make-Up und die tollen Kleider. Durch Kleidung soll man sich ausdrücken, sich von der Masse abheben und sich nicht ihr anpassen, so wie du es anscheinend versuchst.

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  9. Wow, ich muss sagen, dass der text mich echt umhaut.
    Ich hab Tränen in den Augen und sogar Gänsehaut.
    Eure Freundschaft ist etwas ganz besonderes und manchmal braucht man einfach mal jemanden der einem sowas ins Gesicht haut.
    Liebe Grüße:))

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  10. Hihi, kein Problem. Ich muss sowas manchmal einfach loswerden. Du schreibst anscheinend auch echt schön; jedenfalls gefällt mir dieser Post - abgesehen vom Inhalt - sehr! :)
    Du kannst dich nicht dazu zwingen, dich selbst zu ändern, Amélie. Sei, wer du sein willst und vor allem, wie du wirklich bist. Es ist schön, dass Marek dir das zeigen konnte.
    Er ist der einzige von deinen Freunden, der mit deiner Essstörung zurecht kommt? Was heißt das? Hilft er dir, gesund zu werden, indem er dir beisteht und sagt, dass ihr das gemeinsam schafft? Oder wie soll ich mir das vorstellen?
    Du musst nichts sagen. Das freut mich wirklich sehr :) Dankeschön! :*

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  11. Er hält dich nicht davon ab nicht zu essen? Ich dachte, du isst viel und spuckst es danach wieder aus? Oder versuchst du auch manchmal gar nichts zu essen? Dass er dir sagt, du sollst auch mal an die anderen denken, finde ich sehr gut. Das ist etwas, worüber du dir echt Gedanken machen könntest. Wie es bei deiner Familie ankommt - deine Eltern denken bestimmt, sie hätten etwas in der Erziehung falsch gemacht oder dir nicht genügend Liebe und Zuneigung gegeben, dir nicht oft genug gezeigt, wie toll du doch bist, auch wenn du nicht extrem dünn oder perfekt bist. Was war eigentlich der Auslöser für deine Bulimie? Tut mir leid, wenn ich dir jetzt ein schlechtes Gewissen oder so rede, aber wahrscheinlich ist das gut so! Was meinst du mit "das reicht mir völlig", in Bezug auf was? Er scheint echt ein guter Freund zu sein, eben etwas Besonderes :)

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  12. Ich finde Amélie hat absolut Recht, mit dem was sie sagt. Marek ist etwas ganz Besonderes und auch mit der Einzigste, der mit deiner Essstörung zurecht kommt. Ich meine, es ist gut, dass er dir immer wieder ein schlechtes gewissen macht. Mache ich ja selbst bei dir, aber du nimmst es mir nie übel, wenn ich dir so etwas sage. Du weißt, dass du immer auf mich zählen kannst. Ich finde deine Essstörung schlimm, weil ich weiß, wie ungesund sich das auf dich auswirkt und ich weiß auch, wie dich das Ganze belastet. Aber rede! Rede mit deiner Familie, rede mit deinem Lehrer, rede mit mir! Danach geht es dir besser, verstehst du? Wir wollen doch alle nur, dass es dir gut geht und dass du die Krankheit besiegst. Ich weiß wie schwer es für dich war, als du das erste Mal von deiner Krankheit erzählt hast. Du hast geweint weil viele dich darauf angesprochen haben und dumme Kommentare abgegebn haben. Ich weiß wie verletzt du da warst. Aber deine Familie und deine Freunde werden immer für dich da sein, genau wie ich. ♥

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  13. Kennst du diese Louise von Blogger? Scheint nett zu sein! :) Und klar werden dir immer alle beistehen, Amélie. Und das weißt du selbst am besten! Egal wie schwer es war, es war immer jemand da. Und durch die Krankheit hast du nur gemerkt, wer es eben nicht ist, so wie Tim zum Beispiel. Vermutlich sollte es so sein. Dann öffnen sich für dich ganz andere Türen, wenn sich diese geschlossen hat. Jetzt weißt du wieder einmal mehr, wem du vertrauen kannst und mit wem du über deine Essstörung reden kannst. Wage es und rede darüber; es kann nicht schaden. Du weißt langsam, wer dir zuhört und wer weghört. Viel Glück! :)

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